Institution: Psychiatrische Universitätsklinik Zürich und Deutsches Seminar, Universität Zürich
Projektleitung: Yvonne Ilg, Anke Maatz, Henrike Wiemer
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Drüber reden! Aber wie? Zur Versprachlichung der Erfahrung psychischer Erkrankung aus psychiatrischer, linguistischer und erfahrener Perspektive

Reden über psychische Probleme, Krisen, Konflikte und Erkrankungen hat eine lange Tradition und im Allgemeinen wird angenommen, dass es bei deren Bewältigung helfen kann. Gespräche ermöglichen eine Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen; Gespräche sind immer bereits soziale Interaktionen und tragen so zu Einbindung und Teilhabe bei; durch Gespräche können gesellschaftliche Tabus und Stigmata abgebaut werden. So wird das „Drüber Reden“ auch aktuell in verschiedenen Kampagnen beworben. Jedoch erleben viele das Reden über psychische Probleme, Krisen, Konflikte und Erkrankungen als schwierig. Die Erfahrungen, die im Rahmen einer psychischen Erkrankung gemacht werden, sind oft neu, verwirrend, und werden als nur schwer beschreibbar und mitteilbar erlebt. Häufig sind Gefühle von Trauer und Scham mit ihnen verbunden und auch gesellschaftliche Tabus und Stigmatisierung führen dazu, dass Betroffene oft Schwierigkeiten dabei erleben, mit Freund:innen, Angehörigen, Arbeitgeber:innen oder anderen über ihr Erleben zu sprechen.

In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir aus psychiatrischer, linguistischer und Erfahrungs-Perspektive, wie das „Drüber reden“ trotzdem gelingen kann. Wie lassen sich die Erfahrungen in Worte fassen und welche Strategien werden verwendet, um darüber in Austausch zu treten?

Dazu zeichnen wir unterschiedliche Arten von Gesprächen auf. Mittels inhalts- und gesprächssanalytischer Methoden suchen wir nach kommunikativen Ressourcen, die zur Lösung dieser Aufgabe genutzt werden. Ein Kernziel des Projektes ist, die gewonnenen Erkenntnisse sowohl in die Fachpraxis als auch in die Öffentlichkeit zu tragen, um zu einem verständnisvolleren und offeneren Sprechen über psychische Probleme, Konflikte, Krisen und Erkrankungen beizutragen und insbesondere Betroffenen und Angehörigen mehr Stimme verleihen. Das partizipative Design, d.h. die Beteiligung aller (Betroffene, Angehörige, Arbeitgeber:innen, Professionelle) an der Projektplanung, der Datenerhebung- und  -analyse sowie der Kommunikation der Ergebnisse ermöglicht auch innerhalb des Projekts Austausch und Teilhabe. Reden Sie mit!

Schlagwörter
  • mental health
  • language
  • conversation analysis
  • participatory health research
  • recovery
Gelesen 63 mal| Letzte Änderung am Donnerstag, 28 Oktober 2021 09:05

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